MAF-Flug nach Ataùro

Heute morgen durften Josephine und ich mit Jason dem Chef von Daniel 4 Gäste nach Ataùro fliegen. So brachte uns Daniel direkt nach dem Frühstück zum MAF-Hangar. Dort war bereits das Flugzeug startklar und auch die Passagiere waren eingetroffen. Die vier Gäste sind australische Ärzte, welche mit ihrer Non-Profitorganisation (NPO) timoresische Ärzte ausbilden. So arbeiten sie wieder 1-2 Monate in Australien, bevor sie nach Dili zurückkehren und sich in ihrer NPO engagieren.

Kurz nachdem wir alle im Flugzeug sassen, ging es auch schon los zur Startbahn und wenig später waren wir in der Luft. Da es nur eine überschaubare Anzahl Flüge nach und ab Dili gibt, dauert es nicht lange um einen Startslot zu erhalten. Der Flug dauerte ca. 15 Minuten übers offene Meer bevor wir ein kurzes Stück der Küste von Ataùro entlang flogen und bereits zur Landung ansetzten. Die Küste von Ataùro ist gesäumt von wunderbaren Korallenriffen, welche auf Grund der Flughöhe sehr sichtbar waren.

Den ersten Landeanflug musste Jason abbrechen, da sich jemand mit einem Moped auf der Landebahn befand. So durften wir noch ein zweites Mal die Korallenriffe bestaunen. Scheinbar, kommt es gemäss Daniel öfter vor, dass sich in Ost-Timor Tiere oder sogar Menschen auf der Flugbahn befinden.

Da dieser Flug etwas sehr Einmaliges war, wollten wir, dass Josephine dies mit mir erleben durfte. Erstaunlicherweise brauchte es ein wenig Überzeugungskraft. Zum einen schwang etwas Angst mit (auch wenn man dies nicht gerne zugibt) und zum anderen hatte Josephine Angst zu Hause etwas zu verpassen. Am Ende hat sie aber wie ein kleiner Profi mitgemacht und konnte es sogar ein kleines Bisschen geniessen. Manchmal dauert es halt etwas länger bist die Begeisterung kommt 😉

Zurück in Dili halfen die anwesenden MAF-Mitarbeitenden einander das Flugzeug umzubauen und zu tanken, denn in der Zwischenzeit kam ein Auftrag für einen Medevac (Ambulanzflug) um zwei Personen von Suai nach Dili zu holen. So wurden 5 Sitze im Fond ausgebaut und zwei einfache Liegen ins Flugzeug eingebaut. Gemäss Daniel ist oft ungewiss in welchem Zustand die Patienten jeweils sind. Und so kommt es hin und wieder vor, dass unterwegs ein Patient stirbt. Dies ist oftmals auch eine grosse Belastung für die Piloten, da du natürlich gerne helfen würdest, die Ausrüstung der Flugzeuge aber meilenweit von Regahelikopter- oder jets entfernt ist und oft auch kein ausgebildetes medizinisches Personal zur Verfügung steht.

So erzählte mir Daniel von seinem ersten Flug auf Ost-Timor. Er wurde zu einem Medevac für eine Person gerufen. Am Ende waren es aber eine Person und ein Baby, welche medizinische Hilfe brauchten. Das Baby hätte auf dem Flug dringend Sauerstoff gebraucht, welcher aber nicht standardmässig an Board zur Verfügung steht. So starb auf Daniels erstem Flug auf Ost-Timor ein Baby. Diese Geschichte zeigt auf mit welchem psychischen Druck die Piloten hier umgehen müssen, denn nicht immer rettet die Hilfe aus der Luft auch ein Leben. So bist du als Pilot oft auch sehr hilflos.

Ich bin tief beeindruckt von der Arbeit der Mitarbeitenden von MAF (Mission Aviation Fellowship). Als Schweizer denkt man, es müsste doch möglich sein mit wenigen Mitteln diese Flugzeuge besser auszurüsten. Ausrangierte Geräte aus unseren westlichen Ländern würden hier noch einen langen einwandfreien Dienst tun. Jedoch hiesst es noch lange nicht, dass wenn ein Transport gelingt der Patient dann im Spital auf Grund mangelnder Versorgung auch überlebt.

Das war ein Ausflug, welcher bei mir noch lange in Erinnerung bleiben wird und mich zum Nachdenken anregt. Wie oft nehme ich die Annehmlichkeiten unserer hoch entwickelten Kultur einfach als selbstverständlich, während es hier in Ost-Timor oft mehrere Wunder braucht damit für uns einfache Dinge funktionieren.

Gott sei Dank dürfen wir in der zivilisierten und reichen Schweiz leben. Dies ist ein riesiges Geschenk!

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