Silent Night

In Chaing Mai war die Nacht voller Geräusche: Einerseits brummten die Klimaanlagen und die Ventilatoren eher laut, andererseits waren da viele laute Tierstimmen. Am Haus und teils im Haus waren verschiedene Geckoarten mit ihren Schmatzgeräuschen. Im Dach waren den Geräusche nach eine Echsenart namens Tokeh, welche sehr laute Rufe von sich geben, die eher einem Meckern einer Ziege ähneln. Diese Art wird zirka 40 cm gross, ist selten zu sehen, aber ihr Getrampel und ihr Rufen Nachts gut zu hören. In den Bäumen waren Vögel, die in der Nacht laut riefen. Ihr Klang glich mehr dem Brüllen von Affen als dem lieblichen Gesang unserer Schweizervögel.

Auf Koh Pangan waren vor allem die Wellen und der Wind zu hören. Die heimlichen Besucher waren viel stiller. Geckos sind willkommene Mückenfresser. Auch Riesenkäfer Freddy war ok. Nur eine Besucherin musste ihre Leben lassen:

Es war etwa 22 Uhr. Es war dunkel, weil die Mädchen im gleichen Zimmer schliefen. Ich wollt mein IPad abstellen und mit der Taschenlampe noch rasch die verschlossene Türe abchecken, da sah ich eine riesige Spinne an der Wand: zirka 15 cm Durchmesser! So grosse Spinnen gibt es in der Schweiz gar nicht! Daheim transportiere ich die Spinnen per Becher in den Garten. Grundsätzlich habe ich keine Angst vor Spinnen, nur die fetten schwarzen im Gartenschuppen finde ich etwas scheusslich.

Aber diese Spinne hier war eine ganz andere Liga! Sie war so gross wie meine gespreizte Hand. Kurz überlegt ich, ob ich Claude wecken sollte. Doch ich hatte bedenken, dass mir die Spinne abhaut, wenn ich nicht rasch handle! Daher habe ich auch kein Foto gemacht. Für diese Grösse hätte ich den Sandeimer gebraucht. Doch dieser war auf der Veranda. Zudem war sie ganz oben an der Wand, so dass ich sie kaum hätte einfangen können. Also blieb nur eins: töten. Hinter mir schliefen die zwei Mädchen in ihrem Bett. Ich hätte kein Auge mehr zugemacht. Also kramte ich möglichst ruhig Claudes Badeschuh aus dem Rucksack, rückte den Stuhl zurecht und Zack! Per Sandschaufel transportierte ich die tote Spinne über den Verandazaun auf die Müllhalde. Danach wusch ich Schaufel, Schuh und Boden gründlich ab, da ich nicht wusste, ob die Spinne giftig war. Die Mädchen wissen bis heute nichts darüber, weil ich ihren guten Schlaf nicht damit beunruhigen will.

Am nächsten Morgen erzählte ich es Claude, der über meine Spinnenphobie nur grinste und die Grösse anzweifelte. Daher begann ich im Internet zu recherchieren: unsere heimliche Besucherin war eine Riesenkrabbenspinne, die ohne weiteres 15 bis 20cm Durchmesser erreicht. In Laos gibt es sogar Arten mit 30cm Durchmesser! Es ist eine Laufspinne, die stundenlang in einer Ecke verharrt und auf einen Käfer wartet. Keine Wunder, dass es bei so riesigen Käfern wie Freddy auch so riesige Spinnen gibt. Sie ist nicht aggressiv, aber dennoch giftig. Ihr Stich entspricht dem einer Wespe. Auf YouTube sind sogar Filme solcher Spinneneinfangaktionen zu finden. Seither schaue ich jeden Abend rasch den Wänden entlang, ob sich da vielleicht ein heimlicher Besucher aufhält.

Hier ein Beispiel der Riesenkrabbenspinne.

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