Thailand gilt als Traumferienziel. Warmes Wetter, lächelnde Menschen, gutes Essen und wohltuende Massagen. Ein Ozean voller Wunder, Exotische Tiere, Abenteuer pur. Gute Infrastruktur, kinderfreundlich, Mobil erreichbar, ein recht gute ärztliche Versorgung. Im Supermarkt erhält man alles, was man braucht. Die Sonnenseiten Thailands!
Im Gespräch mit der Schweizerfamilie, die Seit 2001 hier in Thailand lebt, hören wir von den Schattenseiten:
Die Ärztliche Versorgung ist im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern recht gut, das Allgemeinwissen sei aber sehr niedrig. So wisse kaum jemand, wie viel Zucker und Koffein in einem Cola enthalten sei, obwohl es massenweise getrunken werde. Die Kinder haben häufig schlechte oder gar verfaulte Zähne, in der Meinung, dass ja dann noch Neue kämen. Mittlerweile haben viele Thailänder Gewichtsprobleme, obwohl sie grundsätzlich sehr zierlich sind. Alte Menschen leiden oft an Zuckererkrankungen ohne es zu wissen.
Thailändisches Essen schmeckt wunderbar. Doch hier ist es grundsätzlich üblich, alles zu stark zu würzen und mit ungesunden Geschmacksverstärkern zu kochen. Bio-Gemüse ist hier ein Fremdwort. Es gibt wenig Regelungen, dadurch arbeitet die Landwirtschaft mit vielen Pestiziden.
Chiang Mai hatte im Februar/ März die weltweit grösste Luftverschmutzung. Die Richtwerte lagen das 26-fache über dem Grenzwert. Grund dafür war das traditionelle Abbrennen der Felder. Grundsätzlich ist nachhaltiges Wirtschaften keine Thailändische Eigenschaft. Es wird sehr kurzfristig gedacht. Man lebt von Tag zu Tag. Daher sind Umweltschutzthemen wenig aktuell.
Dies stelle ich aber grundsätzlich in diversen Äquatorländern fest. In unserer Gegend mussten Bauern früher ein halbes Jahr arbeiten, damit man dann über den harten Winter kam. Also entwickelte man dort Dinge, um Lebensmittel haltbar zu machen. Man hat längerfristig denken müssen, damit man überleben konnte. Das heisst nicht, dass wir seit langem nicht auch ein Müllproblem haben. Aber die Mentalität ist anders. Hier in Thailand bleiben die Sachen frisch, wenn ich sie am Baum oder im Meer lasse und mir jeden Tag nur so viel hole, wie ich zum Leben brauche. Thailändische Mentalität bedeutet aber auch, dass man das Feld abbrennt, weil es so rascher und billiger geht, ohne dabei an die Konsequenzen für Tiere, Luft und Nachbarn zu denken.
Als wir vor 15 Jahren in Thailand waren, konnten wir nur ab und zu an günstigen Orten per E-Mail uns in der Heimat melden. Schon damals hatte es von Strommasten zu Strommast einen unüberblickbaren Kabelsalat. Heute hat jeder Thai ein Handy. Das Starren ins Handy scheint auch hier die neue Hauptbeschäftigung zu sein. Hier scheint sich viel getan zu haben, leider aber nicht in den Umweltschutzthemen.
Die Thaikinder hier am Strand verbringen den grössten Teil des Tages hinter dem Bildschirm, obwohl sie das Paradies vor sich haben. In der Massagehütte neben an lag ein Mädchen von 5-6 Jahren den ganzen Tag in der Hängematte, stets mit Mamas I-Phone in der Hand.

Thailand hat eine wunderbare Tierwelt. Leider sind die Tiere in Gefangenschaft oft in zu kleinen Käfigen oder angekettet. Zum Glück findet gerade bei den Elefanten seit einigen Jahren ein Umdenken statt. Nun passen sie den Tourismus den Elefanten an und nicht mehr umgekehrt. So kann man nun in diesen Elefanten Sanctuarys den Elefanten nahe kommen, während sie ihren eigenen Vorlieben und Bedürfnissen nachgehen.
Das Traurigste aber hören wir von Entwicklungshelfern in Laos. Die meisten asiatischen Länder haben eine Schamkultur. Daher sperren sie aus Unwissenheit ihre behinderten Kinder in die Häuser ein oder legen sie in Ketten. Weil sich behinderte Menschen oft anders benehmen, ist dies ein Grund zur Scham. Auch in unserer Kultur müssen wir nicht weit in die Vergangenheit reisen, um solche Bilder zu finden. Hier ist ein grosser Aufklärungs- und Entwicklungsbedarf!
So kinderfreundlich Thailand im Tourismusbereich ist, so grausam ist es doch, dass zur maffiösen Seite Thailands nach wie vor der Menschenhandel, sowie auch die Prostitution von Kindern gehören. In Chiang Mai haben wir einen Mann getroffen, der in Kambodscha in den Slams mit Kindern arbeitet. Über den Fluss Mekong werden immer wieder Kinder von Kambodscha verkauft, die in Thailand in der Prostitution angeboten werden.
So darf man sich trotz aller Schönheit dieses Landes nicht blenden lassen, wenn man unter einer Palme sitzt, einen Watermelondrink schlürft und draussen auf dem Meer die Fischerboote beobachtet, die im Sonnenuntergang ihre Netze auswerfen.

